Text: Sabrina Mata Rodriguez, Carlos Guio
Lesezeit: 7 Minuten
Jedes Jahr gibt es bei uns im Jugendbüro der NAJU zwei Bundesfreiwilligendienst-Plätze! Unsere diesjährigen "Bufdis" stellen sich vor:
Hallo! Wir sind Sabrina und Carlos und wollen euch kurz erzählen, wer wir sind und wie wir überhaupt bei der NAJU gelandet sind. Zwei Menschen aus Mexiko und Kolumbien, zwei sehr verschiedene Geschichten, die zufällig im selben Abenteuer in Deutschland zusammengekommen sind.

Sabrina
Hallo zusammen! Ich bin Sabrina, 24 Jahre alt und komme aus Mexiko. Bevor es mich nach Deutschland verschlagen hat, habe ich in meiner Heimat Jura studiert. Aber schon während der Uni hat es mich immer wieder zu NGOs und kleinen Nachhaltigkeitsprojekten gezogen. Dort habe ich unglaublich viel über Permakultur, das Leben in Gemeinschaft und echte Nachhaltigkeit gelernt – Themen, die mich bis heute nicht mehr loslassen.
Im Sommer bin ich dann in Deutschland gelandet, ganz ohne große Erwartungen. Im Nachhinein war das genau richtig, denn ich hätte nie gedacht, dass mir das Land – und vor allem die Natur hier – so ans Herz wachsen würde!
Zur NAJU bin ich eher durch einen glücklichen Zufall gekommen: Ein Freund erzählte mir von einem Bekannten, der hier sein Freiwilligenjahr gemacht hat. Das hat mich neugierig gemacht, also habe ich kurz recherchiert, was die NAJU eigentlich genau macht, und mich einfach beworben.
Für mich hat die Natur eine ganz eigene Sprache, die jeder versteht. Egal, woher man kommt: Es gibt immer etwas Neues zu entdecken und zu schützen.
Ich bin zwischen dem Norden und dem Süden Mexikos aufgewachsen, was zwei völlig verschiedene Welten sind. Im Norden findest du Berge, Wüste und riesige Kakteen – da begegnet man eher mal einer Schlange oder einem Bären. Im Süden dagegen herrscht Dschungel-Feeling mit Palmen, Krokodilen und Affen. In beiden Regionen gibt es jeden Tag Sonne und frisches Obst im Überfluss. Der Unterschied zu Deutschland ist natürlich riesig, aber genau das zeigt mir immer wieder, wie unglaublich vielfältig unsere Welt ist.
Was ich hier besonders lieben gelernt habe, sind die Jahreszeiten. In Mexiko kennen wir keinen „echten“ Herbst oder Winter. Es ist faszinierend zu beobachten, wie der Wald seine Farben wechselt und wie sich die Natur mit jedem Monat völlig anders anfühlt.
Klar, die deutsche Sprache war am Anfang eine echte harte Nuss. Aber seit ich meinen Freiwilligendienst angefangen habe, läuft es viel besser – egal ob im Büro oder im Alltag mit den Menschen hier.
Apropos Menschen: Die kulturellen Unterschiede sind echt spannend. In Mexiko umarmt man sich oft schon am ersten Tag, hier sind die Leute anfangs etwas zurückhaltender. Dafür feiere ich das deutsche Recyclingsystem total! Es ist toll, dass Kinder das hier schon so früh lernen. In Mexiko ist das eher Familiensache, aber ich merke, dass sich gerade die junge Generation immer mehr engagiert.
Die letzten Monate waren für mich viel mehr als nur ein Freiwilligendienst. Es war eine Zeit voller persönlichem Wachstum, neuer Herausforderungen und ständigem Lernen. Ich habe gelernt, die Schönheit der Biodiversität hier in Deutschland richtig wertzuschätzen.
Mein Interesse an Gemeinschaftsarbeit fing an, als ich meine eigene „Blase“ verlassen habe. In verschiedenen Projekten habe ich gemerkt: Wenn man hilft, gibt man nicht nur etwas, sondern bekommt unendlich viel zurück. Jede dieser Erfahrungen hat mir neue Perspektiven geschenkt und mein Herz gewärmt.
Ein absolutes Highlight war für mich ein Projekt zur Menstruationshygiene für Frauen in einer indigenen Gemeinde in den Bergen. Ich fühlte mich schon immer zur Weisheit und Kultur indigener Völker hingezogen. Die Ungleichheit dort zu sehen, hat mich motiviert, einen kleinen Beitrag zu leisten, der wirklich einen Unterschied macht. Die enorme Unterstützung, die ich dabei erfahren habe, hat mich völlig überrascht – damit hatte ich niemals gerechnet.
Dort habe ich etwas gelernt, das mich bis heute prägt: Während Menstruation für viele ein Tabuthema ist, ist sie in anderen Kulturen etwas ganz Natürliches, das sogar geehrt wird. Diese Sichtweise hat mein Leben verändert. Seitdem gehe ich meine Freiwilligenarbeit immer mit Respekt, Offenheit und dem Wunsch nach echtem Austausch an. Mein Motto ist: Man geht nie mit leeren Händen nach Hause, wenn man mit offenem Herzen kommt.
Diese tiefe Verbindung zur Natur und zu indigenen Kulturen habe ich von meiner Mutter. Sie hat das nie als „Job“ gesehen, sondern es kam direkt aus ihrem Herzen. Als Kind hat sie mich oft mit in die Berge oder den Dschungel genommen, um Frauen zu treffen, die uraltes Heilwissen besaßen. Ihnen zuzuhören hat mir gezeigt, dass es ganz andere Wege gibt, mit der Natur umzugehen.
Die Natur ist mein absoluter Ruheort, besonders am Wasser. In Mexiko war das Meer mein Anker. Hier in Deutschland habe ich das Meer gegen die wunderschönen Seen getauscht und – zu meiner Überraschung – genau dieselbe Ruhe dort gefunden. Mein Weg zur Nachhaltigkeit wurde 2022 durch eine Reise angestoßen, auf der ich meine deutsche Freundin Pauline kennengelernt habe. Sie hat mir gezeigt, wie bewusst man leben kann. Zurück in Mexiko habe ich direkt mit Recycling und Kompostieren angefangen, wir haben Solarpanels installiert und bewirtschaften jetzt eine kleine Ranch mit eigenen Mangos, Avocados, Chilis und Äpfeln. Das hat mich der Natur noch nähergebracht.
Ich weiß aber auch um die soziale Ungleichheit in Mexiko. Viele indigene und ländliche Gemeinden haben nicht den gleichen Zugang zu Bildung oder Unterstützung wie die Menschen in den Großstädten. Dass ihre Sprachen und Traditionen oft nicht geschützt werden, macht mich traurig und hat mich tief geprägt.
Deshalb möchte ich in Zukunft genau diese Themen verbinden: soziale Gerechtigkeit, Natur und Kultur. Ich möchte die Umwelt schützen und gleichzeitig von den Gemeinschaften lernen, die schon seit Generationen im Einklang mit ihr leben. Mein großer Wunsch ist es, Projekte zu begleiten, die diese Welten zusammenbringen – immer mit Respekt, ohne zu romantisieren und ohne für andere zu sprechen. Einfach gemeinsam lernen und wertschätzen.
Carlos
Hallo! Ich bin Carlos Guio, 28 Jahre alt und komme aus Kolumbien – dem „Land der Biodiversität“. Bei mir zu Hause scheint die Sonne zwölf Stunden am Tag und Jahreszeiten, wie man sie hier kennt, gibt es eigentlich nicht. Dafür sieht man ständig bunte Vögel in allen Farben und man könnte über ein Jahr lang jeden Tag eine andere Frucht essen, ohne sich auch nur einmal zu wiederholen!
Mittlerweile lebe ich seit anderthalb Jahren als Bufdi in Deutschland. Ursprünglich war mein Plan, nur für ein Jahr als Au-pair zu kommen, um die Sprache und die Kultur kennenzulernen. Aber mir wurde schnell klar: Ein Jahr reicht einfach nicht aus, um die Sprache wirklich gut zu beherrschen. Deutschland ist ein wunderschönes Land, auch wenn es natürlich riesige Unterschiede zu Kolumbien gibt – sei es beim Klima, den Landschaften oder einfach dabei, wie die Menschen miteinander umgehen. In dieser Zeit konnte ich unglaublich viel Neues entdecken und auch viel über mich selbst lernen.
Es war ein Jahr voller Herausforderungen, besonders was die Kommunikation angeht. Aber genau das macht es spannend: Jeden Tag lerne ich neue Wörter dazu oder entdecke etwas über die Vögel, Tiere und Insekten hier. Das ist für mich eine wahre Bereicherung.
Meine Verbindung zur Natur war eigentlich schon immer da. Mein Vater stammt vom Land und hat mir schon von klein auf beigebracht, wie wichtig es ist, die Natur und alles, was sie uns schenkt, zu schätzen und zu bewahren. In Kolumbien habe ich außerdem sieben Semester Zootechnik studiert. Das Studium hat mir nicht nur das Fachwissen vermittelt, sondern auch meine Neugier und die Leidenschaft für das Beobachten der Natur bestärkt.
Für mich bedeutet der Freiwilligendienst bei der NAJU, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die sich gemeinsam für den Schutz der Natur und unserer Lebensgrundlage einsetzt. Was mir an der Arbeit hier am meisten gefällt, ist die Dynamik – kein Tag ist wie der andere. Und die tolle Gruppe hier macht es mir wirklich leicht, mich in Deutschland einzuleben und mich wohlzufühlen.
Die Zeit bei NAJU und LBV fühlt sich für uns beide sehr besonders an. Das liegt vor allem an den Menschen hier. Alle sind offen, freundlich und man fühlt sich schnell willkommen.
Durch die Seminare, Projekte und Ausflüge lernt man viele neue Leute kennen und entdeckt verschiedene Orte in Deutschland. Oft gibt es Spiele, Spaß und viele Momente, in denen man einfach zusammen lachen kann. Genau diese Erlebnisse machen die Zeit hier so schön.
Dazu kommt der Austausch zwischen unseren Kulturen. Wir lernen jeden Tag etwas Neues voneinander und von den Menschen hier. Das macht unsere Zeit im Freiwilligendienst bunt, spannend und voller kleiner Überraschungen.
Für uns ist diese Zeit eine Mischung aus Lernen, Abenteuer, neuen Freundschaften und schönen Erinnerungen, die wir mitnehmen werden.
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